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Wulf Kirsten

Wulf Kirsten

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1999/2000   Wulf Kirsten

Wulf Kirsten wurde am 21. Juni 1934 in Klipphausen bei Meißen geboren. Nach einer Lehre als Handelskaufmann arbeitet der Sohn eines Steinmetz als Buchhalter, Sachbearbeiter und Bauarbeiter und legt 1960 an der Arbeiter- und Bauern-Fakultät (ABF) Leipzig sein Abitur ab. Von 1960 bis 1964 absolviert er ein Lehramtsstudium für Deutsch und Russisch in Leipzig. Die Studienzeit ist vor allem geprägt durch eine intensive Beschäftigung mit Literatur – Kirsten arbeitet sich systematisch durch die Deutsche Bücherei – sowie durch die Tätigkeit als freier Mitarbeiter für das „Wörterbuch der obersächsischen Mundarten“ (Sächsische Akademie der Wissenschaften zu Leipzig), für das Kirsten mehr als tausend Belege aus seiner Heimat sammelt. In die Zeit des Studiums fallen erste ernsthafte Schreibversuche, die Veröffentlichungen in literarischen Zeitschriften und in Anthologien nach sich ziehen.

Für kurze Zeit arbeitet Kirsten nach seinem Studienabschluss als Lehrer, bevor er 1965 seine Tätigkeit als Lektor für den Aufbau Verlag in Weimar beginnt. Allein oder mit Kollegen gibt er eine Vielzahl von Bänden heraus, die durch genaue Recherche und kundige Kommentierung bestechen.

Zwischen 1969 und 1970 durchläuft Kirsten ein Studium am Leipziger Literaturinstitut. Während des neunmonatigen Sonderkurses lernt er den ebenfalls aus Sachsen stammenden Dichter Heinz Czechowski kennen, mit dem ihn für einige Jahre eine produktive Freundschaft verbindet. Weiterhin ist aus dieser Zeit die Begegnung mit Georg Maurer hervorzuheben, der als Lyriklehrer eine ganze Generation von DDR-Autoren prägte. Dieses Studium in Leipzig ist einer der Hauptgründe dafür, dass Kirsten der sogenannten Sächsischen Dichterschule zugerechnet wird.

Seine schriftstellerische Arbeit widmet Kirsten vor allem der Lyrik, aber auch der Prosa. Zwischen 1968 und 1977 erscheinen mehrere Gedichtbände, 1984 ein Band mit zwei Prosatexten. Das schmale Reclam-Bändchen "die Erde bei Meißen" (1986) versammelt in chronologischer Reihenfolge den Großteil der zwischen 1961 und 1982 entstandenen Gedichte. Für diese Publikation wird Kirsten im Jahre 1987 der renommierte Peter-Huchel-Preis verliehen. Kirsten wird damit erstmals auch im Westen Deutschlands von einem breiteren Publikum als Lyriker wahrgenommen. Im gleichen Jahr entschließt sich Kirsten für ein Dasein als freier Schriftsteller, betätigt sich aber auch weiterhin als Lektor und Herausgeber.

In der Umbruchzeit von 1989/90 engagiert sich Kirsten im Weimarer Neuen Forum, zieht sich jedoch bald ernüchtert aus der Politik zurück. Seit 1992 erscheinen Kirstens Bücher im angesehenen Zürcher Ammann Verlag. Seit Beginn der 90er Jahre wird Kirsten mehr und mehr als bedeutender deutscher Gegenwartsautor wahrgenommen und gewürdigt, was sich nicht zuletzt in einer Vielzahl von Auszeichnungen und Mitgliedschaften ausdrückt. Wulf Kirsten lebt und arbeitet in Weimar.

Auszeichnungen

1971 Förderungspreis Literatur der Akademie der Künste Berlin
1972 Louis-Fürnberg-Preis  
1975 Jiri-Wolker-Medaille
1983 Literatur- und Kunstpreis der Stadt Weimar
1985 Johannes-R.-Becher-Preis
1987 Peter-Huchel-Preis
1989 Heinrich-Mann-Preis
1990 Evangelischer Buchpreis des DVEB
1990–1993 Sekretär der Deutschen Schillerstiftung von 1859 zu Weimar  
1993 Stadtschreiber Salzburg
1994 Elisabeth-Langgässer-Literaturpreis 
1994 Fedor-Malchow-Lyrikpreis
1994 Erwin-Strittmatter-Preis
1994 Weimar-Preis
1996 Hermann-Hesse-Stipendium Calw
1997 Deutscher Sprachpreis der Henning-Kaufmann-Stiftung
1998 Stipendium des Künstlerhauses Edenkoben  
1999 Stadtschreiber von Bergen-Enkheim  
1999 Stadtschreiber Dresden
1999 Horst-Bienek-Preis für Lyrik der Bayerischen Akademie der Schönen Künste  
2000 Marie-Luise-Kaschnitz-Preis der Evangelischen Akademie Tutzing
2002 Schiller-Ring der Deutschen Schillerstiftung  
2003 Ehrendoktorwürde der Friedrich-Schiller-Universität Jena  
2004 Eichendorff-Literaturpreis
2005 Literaturpreis der Konrad-Adenauer-Stiftung  
2006 Joseph-Breitbach-Prei

Festredner bei der Verleihung des Literaturpreises Stadtschreiber von Bergen war Heiner Geißler